Dieses Mal möchte ich von einem anderen Hobby berichten, das ich leider nur alle 4 Jahre ausüben kann.
Gemeint sind die Hamburg Airport Days, die dieses Jahr vom 22. bis 23.August gefeiert wurden. Ich möchte damit ein klein wenig aufzeigen, was an Arbeit und Aufwand im Hintergrund abläuft, damit es ein gelungenes Ereignis wird. Ich beschreibe hier nur in kleinen Auszügen die Abläufe die auf dem Vorfeld und um die Flugzeuge herum geschehen. Ein kleiner Teil von Vielen die noch drum herum laufen, Essenbuden, Kinderspiele, Zuwegung, Absperrungen, Busshuttles, Sanitäter, Polizei um nur einige mehr zu nennen und nicht zuletzt, da es auf dem Gelände der Lufthansa Technik stattfindet, die Abläufe der LHT, die natürlich eigentlich auch am Wochenende arbeiten.
Also fragte mich dann auch letztes Jahr meinem Freund Figo, ob ich mich wieder um die CrewGuides und CrewCaptains kümmern würde. Ohne großartig nach zu denken, sagte ich zu und stürzte mich bereits Ende 2014 in die Vorbereitungen.
Ein Crewguide kümmert sich um Gästeflugzeuge und die dazugehörende Crew. Als Ansprechpartner in allen Belangen, von Einweisen des Flugzeugs über tanken, Hotelauskünfte und wieder weg lassen. Dazu gibt es noch Crewcaptains. Sie sind so zu sagen die „Vorgesetzten“ der Guides und haben schon ein gutes Flugzeugwissen und kennen die Abläufe auf dem Flugplatz.
Also machte ich mir wieder Gedanken über was, wer, wann, wobei und so weiter. Nicht zu vernachlässigen die Sicherheitshinweise und -vorkehrungen rund um das Flugzeug. Anfang des Jahres begannen wir dann mit den Meetings der Arbeitsgemeinschaft Aviation, die sich um alles was „Luftseitig“, also mit und um die Flugzeuge passiert, kümmern sollte. In diesen Meetings geht es dann um die Abstellpositionen, welche Flugzeuge sind eingeladen, welche kommen, was benötigen wir alles und so weiter. Normaler Vorfeldablauf, wie man ihn auf jedem großen Flugplatz beobachten kann. Besondere Herausforderung in diesem Jahr, abgesehen davon das alles während des normalen Flugbetriebes passiert, es sollte noch ein paar Flugvorführungen und Einführungsflüge geben.
Manche von euch werden nun sagen: „Na und. Gäste rein, Motor an und los. Wie bei der Annuschka auch üblich.“
Aber leider läuft es an internationalen Flugplätzen etwas anders und nicht ganz so entspannt.
Es gibt den §8 des Luftverkehrsgesetzes, nach dem alles und jeder kontrolliert werden muss, der an Bord eines Flugzeugs geht das den Flugplatz verlässt. Also die normale Kontrolle auf dem Weg zum Gate, zusätzlich muss hier dann noch das Flugzeug kontrolliert werden. Doch wie machen wir das auf dem Veranstaltungsgelände. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde, der Flughafen Hamburg GmbH und der Lufthansa Technik wurde dann eine sehr gute Lösung gefunden und auch so umgesetzt.
Ich für meinen Teil hatte ein paar gute Leute ausgesucht, die als CrewGuide und -Captain fungieren sollten. Figo steuerte auch noch ein paar gute hinzu so das wir dann auf knappe 20 Leute kamen. Alle hatten etwas mit der Luftfahrt zu tun. Es war ein bunter Mix von Airbus, Lufthansa, Viking Helikopter Service, ex Pilot, dem Flughafen selber und sogar vom Flughafen Leipzig. Wie sich später dann noch herausstellte eine goldrichtige Wahl, ein spitzen Team das sich blind auf jeden einzelnen verlassen konnte.
DAS Wochenende rückte näher und bereits am Donnerstag den 20. August kamen ersten 3 Gäste, eine Cessna 150, Lockheed P3 Orion der Marine und unsere Annuschka. Dann schleppten wir noch die alt ehrwürdige 707 von ihrem Standplatz um und schon war das Tagwerk getan.
Freitag morgen, Treffpunkt für alle war die 707. Alle Guides und Captains waren pünktlich vor Ort und nach einer kurzen Einweisung und Beantwortung der offenen Fragen konnte es los gehen.
Doch wie jedes Mal, so wurde auch dieses Mal wieder bewiesen, das die beste Planung spätestens am Tag der Umsetzung kaum noch etwas Wert ist.
Der erste Flieger sollte um 9 Uhr landen, doch außer einer Lerche die vor sich hin sang tat sich nichts. Doch kaum war es 10 Uhr 20 brach die Hölle los. Gleichzeitig mussten wir an 5 verschiedenen Stellen sein. Dornier, Cessna, Zlin, Piper rollten über die Rollwege Y und Q auf das LHT-Gelände, wollten zu ihren Standplätzen. Natürlich nicht immer in der eigentlich vorgesehenen Reihenfolge. Begrenzungszäune, die am Abend vorher aufgestellt wurden, mussten weggeräumt werden, Fahrzeuge der Schausteller und Wurstbudenbesitzer aus dem Weg. Zwischendurch immer wieder Nachfragen wo denn nun dieser Flieger hin solle, warum ist der auf Y hoch gekommen und nicht wie gedacht auf Q, ich brauche noch ein paar Leute um Zäune weg zu bewegen, meine Crew will tanken, wo fährt der Hotelshuttle, wann ist die Fly-In Party, wo ist das Crewzelt, gibt’s hier auch Toiletten. 12 Uhr 30 die Bundeswehrhubschrauber kommen. Daniel dein Einsatz. Bo105, EC135 und die in Hamburg noch bekannte und bekannt als Anneliese Bell UH-1D kamen in kurzen Abständen und wurden sicher auf ihren Positionen gelandet. Gegen 15 Uhr kommt die finnische DC3 und gegen 16 Uhr die Noratlas, direkt aus Hohn vom Besuch beim LTG63. Obendrauf passierte das alles im hin und her laufen, das Vorfeld ist ca. 2,5km lang, und bei gleichzeitiger Verständigung mit anderen Guides per Handy, WhatsApp oder Handzeichen. Ich selbst habe keine Ahnung wie viele Kilometer ich an diesem Tag gegangen bin oder mich der ein oder andere Flow Me Fahrer freundlicher Weise mitgenommen hat. Ein Kollege hat eine App, schöne neue Welt, mitlaufen lassen und ist auf 22km gekommen. 19Uhr, im Crewzelt beginnt die Fly-In Party, wir sind noch draußen und bauen die Zäune wieder auf. Kurzer Funkruf Wolle, Nils, Oli, Daniel und möglichst viele Guides bitte ins Zelt. Begrüßungsansprache von Figo, unser „Chef“ während der ADH, und Herrn Eggenschwiler , Geschäftsführer der FHG. 20Uhr die Super Conni ist im Anflug, alle wieder auf die Position. 20 Uhr 20 die Conni steht als letzter Gast auf Position. Feierabend nach guten 12 Stunden und 30Minuten, ab ins Crewzelt etwas essen und trinken, was bisher eindeutig zu kurz kam.
Zitat eines CrewGuide : „Flugdienst ist die Hölle aber der Sound ist Geil!“
Kurz nach 21 Uhr setzte sich dann eine kleine Karawane in Richtung AWACS in Bewegung. Die Party wurde also dort, unter der Nase der alten Dame, bis 23 Uhr fortgeführt.
23 Uhr 30 endlich im Hotelzimmer im Bett und eine gesegnete Ruhepause für die Füße.
7 Uhr Samstag Morgen der Wecker klingelt. Abspulen des Standartprogramms, aufstehen, Zähne putzen, duschen, anziehen, runter in die Lobby, schnelle Tasse Kaffee, rein in den Bus, 8 Uhr 30 fertig auf dem Platz. Frühstück im Crewzelt, dann noch ein paar ordnende Eingriffe in die Abstellpositionen und schon ist es 10 Uhr und die Airport Days werden geöffnet für die Besucher.
Jetzt ist es für uns erst mal etwas ruhiger. Man geht herum, schaut hier und dort, fragt ob etwas fehlt, steht Rede und Antwort für die Besucher.
11 Uhr 30, der §8 Bereich für die Rund- und Schauflieger wird geräumt und untersucht. 12 Uhr 15, der Bereich ist „sauber“ und nun dürfen wir, die Crews und Fluggäste nach einer Kontrolle auch wieder rein.
Ein kurzes Umschleppen, damit die Flugzeuge aus eigener Kraft wegrollen können, dann ist Boarding. Als erstes lässt die Red Bull DC6 ihre 4 Sternmotoren an. Man spürt förmlich wie ein raunen und eine Gänsehaut durch die Menge der Zuschauer geht. Von uns mit Handzeichen geführt rollt sie Richtung Startbahn. Kurz darauf noch einmal das gleiche Spektakel mit der Super Constellation, die kurz darauf von der Noratlas gefolgt wird. Die DC6 startet und erhebt sich in der Sonne glänzend in die Luft. Ein paar Airliner landen, dann ist die Conni startbereit und unter dem dröhnen von über 3000PS erhebt sich die Königin der Lüfte in ihr Element.
Dann folgt die Flugshow der Noratlas. Langsamer und schneller Überflug, enge Kurven und der sogenannte Sarajevo Anflug, bei dem die Nase steil nach unten zeig und das Flugzeug erst kurz vor der Landung abgefangen wird. Ein tolle aber leider nur kleine Flugeinlage, ein Zugeständnis das gemacht werden musste um den normalen Flugverkehr möglichst wenig zu stören.
Kaum ist die Nora wieder unten, steigt der Super Puma der Schweizer Luftwaffe in den norddeutschen Himmel um sein Programm ab zu fliegen. Vorwärts, Rückwärts, senkrecht hoch, Vollkreis rückwärts ein tolles Programm. Kaum ist auch er wieder am Boden kommt die DC6 zurück und wenig später die Conni. Einwinken auf ihre Abstellpositionen, aussteigen tanken, dann wird der §8 wieder aufgelöst und wir kommen wieder zur Ruhe.
18 Uhr die Pforten werden geschlossen. Ich mache eine kurze Stippvisite an der Annuschka.
„Alles gut?“
„ Ja, alles klar nur wir können nicht mehr stehen.“
„Kein Problem an der 707 gibt’s jetzt ein kühles Bier und Schnittchen. Privat organisiert von Figo.“
Ein schöner Abschluss wenn man dann bei lockeren Gesprächen, Schnittchen und Bier der Tag Revue passieren lassen kann.
23.August, dieser Sonntag Vormittag verläuft genau so wie der vergangene Samstag. Nur wird heute nicht die §8 Grenze nach den Flügen nicht mehr aufgelöst. Der Grund ist, das die Crews dann bereits anfangen ihre Abflüge nach Hause vor zu bereiten. Leider ein Nachteil für die zahlreichen Besucher, aber anders wäre es einfach viel zu aufwendig und zeitraubend.
Doch warum wird so früh bereits der Abflug, der gute 4 Stunden später sein soll, schon dann vorbereitet, warum fliegen die Flugzeuge nicht einfach später?
Ganz einfach, alle alten Flugzeuge die wir zu Besuch hatten fliegen nach Sichtflugbedingungen (VFR). Das bedeutet das sie spätestens bei Sonnenuntergang am Heimatflugplatz angekommen sein müssen. Wenn also der sogenannte sunset um 20 Uhr 30 ist, man aber knappe 2 Stunden fliegt plus etwas Zeitreserve, kommt man auf eine späteste Abflugzeit von 18 Uhr. Das muss dann noch mit den regulären Linienabflügen unter einen Hut und schon kann es Zeitlich etwas eng werden.
So war es dann auch. Ab 17 Uhr merkte man eine leicht steigende Nervosität bei einigen Piloten, die sich dann wie in einer Wellenbewegung über das ganze Gelände bewegte. Die einzigen die noch ganz entspannt waren hatten Militäruniformen an. Kein Wunder, die flogen ja auch erst am Montag ab.
17 Uhr 30 jetzt geht es los. Die ersten Flugzeuge werden aus der Lärmschutzhalle in den sauberen §8 Bereich geschoben. Es werden immer mehr und ab 18 Uhr gab es dann kein Halten mehr. Die Dämme brachen und irgendwie wollten alle Gleichzeitig weg und am besten sofort. Also begannen wir wieder mit den Zäunen zu rücken, Flugzeuge zu schieben, Freizeichen zu geben, beim Anlasen zu helfen. Alles mal wieder in mitten der letzten Besucher und später dann den „Standabbauern“ die natürlich auch nach Hause wollten. 20 Uhr 30 das Vorfeld ist wie leer gefegt, nur das Militär steht noch herum. Ich bin ganz ehrlich, keine Ahnung wie das alles so reibunglos klappen konnte. Wenn ich recht überlege, eigentlich doch … ein tolles Team ist eben zu „fast“ allem fähig.
Nach 3 tollen Tag, mehreren Kilometern Betonplattenlaufen, hunderten Zäune umstellen, wenig essen, wenig Trinken wenig Schlaf endlich ab nach Hause.
Montag 8 Uhr wieder auf dem Vorfeld. Die Militärs machen sich bereit für ihre Abflüge zwischen 10 und 12 Uhr. Bodenstromkabel aufrollen, beim Umschleppen helfen, anlassen und Daumen hoch.
Die Do228 geht als erstes, dann die Hubschrauber. 12 Uhr 20 mit einem tiefen Überflug verabschiedet sich als letzter Gast die AWACS nach Geilenkirchen.
Die Hamburg Airport Days 2015 sind endgültig vorbei.
An dieser stelle möchte ich mich kurz bedanken bei Figo und unserem tollen Team: Nils, Oli, Daniel, Thomas, Walter, Christoph, Dennis, Uwe, Kevin, Heike, Gabi, Jürgen, Matthias, Thomas, Hans-Jürgen, Karsten, Sabine.
Leider konnte ich, so wie letztes Jahr, nur an ganz wenigen Terminen unserer Annuschka teilnehmen. Auch das kommende Saisonende wird ohne mich stattfinden. Darin liegt auch der Grund, das es etwas wenig Storys gab, aber ich gelobe Besserung.
Wolle

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